Minimalismus als Einrichtungsstil

Je weniger, desto mehr.

Klare Linien und bitte nicht zu kitschig. Wer sich minimalistisch einrichtet, mag es klassisch und schnörkellos. Minimalisten setzen auf Qualität statt Quantität. Denn die Dinge sollen lange halten und gefallen, außerdem praktisch sein und zurückhaltend. Protzige Attitüden haben hier nichts zu suchen – Minimalisten setzen auf Nachhaltigkeit und Pragmatismus. Luftige Strukturen und klare Linien zeichnen eine minimalistische Einrichtung aus. Gekauft wird nur, was wirklich gebraucht wird und gefällt. Qualitativ hochwertige Verarbeitung und lange Haltbarkeit sind bei minimalistischen Designs garantiert!

Die Produkte von Mater und Grid strahlen Zurückhaltung und Eleganz aus.

Den wichtigen Dingen wieder mehr Raum geben

Die Grundidee ist nicht neu, aber wieder hochaktuell: Minimalismus, dass bedeutet, mit wenig viel zu erreichen. Minimalismus ist kein Stil, sondern eine Lebensphilosophie - mit wachsender Fangemeinde. Die Autoren Joshua Fields Millburn und Ryan Nicodemus genießen als Erfolgsduo „The Minimalists“ weltweiten Bekanntheitsgrad – in Deutschland vor allem durch ihre eigene Minimalismus-Dokumentation auf Netflix. Aufräum-Berater wie Marie Kondo haben weltweit Kult-Status und verkaufen Millionen Bücher. Es gibt ‚Kleiderschrank-Projekte‘ und ‚Minimalismus-Challenges‘, die beim aussortieren helfen sollen, indem man sich jeden Tag von einer Sache trennt.
Die Erklärung für den neuen Boom minimalistischer Lebensweise und Einrichtung ist einleuchtend: In Zeiten grenzenloser Auswahl und Quantität kann eine Sehnsucht nach Einfachheit und Natürlichkeit entstehen. „Was Du besitzt, besitzt Dich irgendwann“, heißt es und bedeutet: Je mehr Dinge man mit sich herumträgt, egal ob Möbel oder Mode, desto schwerer wird das Leben. Wer sich davon befreien kann, dem winken geistiger Raum und seelische Entfaltung. Dabei geht es nicht darum, alle Sachen weg zu schmeißen, sondern Überflüssiges zu entsorgen, um den wertvollen Dingen wieder mehr Raum zu geben. Keine Ablenkung durch Überflüssiges, kein Tand und Kitsch stören die Optik oder die Gedanken. Schon die Formensprache der Bauhaus-Kultur fand ihre Anhänger durch maximale Reduktion und geometrische Strukturen. Die nachfolgende Ulmer Schule propagierte die industrielle Ästhetik und prägte dank ihrer Entwürfe ganze Generationen.

The Minimalists - Autoren Erfolgsduo Joshua Fields Milburn & Ryan Nicodemus

Qualität zahlt sich aus

Klar, einfach und funktional – so sollten die Alltagsgegenstände aussehen. Und vor allem: lange gefallen. Wer sich für ein qualitativ hochwertiges Designerstück entscheidet, zahlt zwar mehr, hat aber in der Regel lange Freude daran. Minimalistische Möbel, wie etwa die Produkte der Müller Möbelwerkstätten, Grid oder Böwer sind auf das Elementarste reduziert und bestechen durch ihre zurückhaltende Wirkung. Designer Michael Hilgers hat viele preisgekrönte Entwürfe wie den ‚flatmate‘-Sekretär oder das raumsparende Regal ‚twofold‘ für die Müller Möbelwerkstätten entworfen und erklärt den Minimalismus-Trend im found4you-Interview: „Jeder Raum lässt sich minimalistisch einrichten- man muss lediglich bewusst sein Wohn- und Konsumverhalten überdenken. Wer weniger Dinge besitzt, benötigt auch weniger großvolumige Möbel. Darüber hinaus gibt es leider noch eine unfreiwillige Voraussetzung: Wohnen wird immer teurer, gleichzeitig werden die Wohnungen immer kleiner. Dieser Trend ist leider nicht mehr aufzuhalten. Glücklicherweise reagieren immer mehr Designer, Hersteller und Shops wie found4you auf diese Entwicklung und bieten passende Einrichtungs-Lösungen an. Wichtig ist dabei, das minimalistische Möbel keine billigen Ersatzlösungen sind, sondern häufig durchdachter und qualitativ hochwertiger als massenproduzierte Möbel von der Stange. Diese Kleinserien werden in der Regel von mittelständischen lokalen Manufakturen produziert und stammen nicht von einem Fließband in Osteuropa oder Asien. Der Trend zu raumsparenden Arbeitsplätzen hält unvermindert an. Große Bücherregale hingegen sind rückläufig. Mittlerweile gibt es verstärkt clevere Bettenlösungen, die sich tagsüber wegklappen lassen. Riesige Polsterlandschaften sind vor allem im beengten städtischen Wohnumfeld kaum noch ein Thema. Hier geht der Trend zu filigraneren 2er-Sofas und mobilen Einzelsesseln“, erklärt Hilgers.

Minimalismus geht auch gemütlich

Auch der moderne Scandi-Stil ist für seine minimalistische Anlehnung bekannt und besänftigt Augen und Geist mit sanften, hellen Farben und klaren Linien. Statt wilder Farbmischungen vereinen sich Muster- und Materialmixe zu einer homogenen Kulisse, beruhigen damit die Sinne. Da kräftige Farben die gewünschte Raumwirkung stören könnten, haben sogenannte „Nicht-Farben“ wie Schwarz, Weiß und Grau den Vortritt. Die Hamburger Interior-Stylistin Stefanie Adam bloggt regelmäßig über Minimalismus und coacht ihre Kunden in der Kunst der Reduktion. „Wer minimalistisch lebt und sich von materiellen Dingen trennen kann, wird darin geschult, auch inneren Ballast besser loslassen zu können. Ein weiterer Vorteil vom Minimalismus ist ein bewusster Umgang mit Ressourcen. Wenn ich weniger brauche, kann ich auf bessere oder nachhaltige Produkte und auf Qualität statt Quantität setzen“, so Adam. Um festzustellen, ob ein minimalistischer Einrichtungsstil zu einem passt, bietet Stefanie Adam einen kostenlosen Persönlichkeitstest an, mit dem sich feststellen lässt, welcher Einrichtungstyp man grundsätzlich ist. Ihrer Meinung nach darf Minimalismus aber durchaus auch gemütlich sein. „Für mich gehören Hygge und Minimalismus unbedingt zusammen – ich nenne es ‚cozynism‘ (cosy + minimalism)“, so die Beraterin. „Dabei werden dem minimalistischen Raum bewusst ausgesuchte Einzelstücke oder Wohlfühlaccessoires hinzugefügt, die eine positive Emotion auslösen und zum eigenen Typ passen. Statt steriler Räume gibt es einen gemütlichen Minimalismus, der zur eigenen Persönlichkeit passt und dauerhaft zufrieden macht.“