VERNER PANTON

Er brachte die Pop-Art in die Häuser

Er war ein Querdenker mit Hang zum Farbflash. Der dänische Architekt und Designer Verner Panton (1926 - 1998) schuf in den 70er Jahren etliche Designs, die ihrer Zeit voraus waren. Seine visionäre Experimentierfreudigkeit war legendär, sein Mut wurde belohnt mit großer Beliebtheit.

Typisch rundes und buntes Design von Verner Panton (l.): Tischleuchte 'Panthella Mini' von Louis Poulsen und die 'Topan VP6'-Pendelleuchte von &tradition (r.).

Der Anfang bei Arne Jacobsen

Verner Panton besuchte die Technische Schule in Odense und studierte Architektur an der Königlichen Kunstakademie Kopenhagen. Bevor er 1955 sein eigenes Architektur- und Designstudio gründete, arbeitete er im Architekturbüro von Arne Jacobsen, wo Panton beteiligt war am Entwurf des weltberühmten „Ameisen“-Stuhls. Früh wurden Designkenner auf ihn aufmerksam durch seine geometrischen Möbelentwürfe. Verner Panton war anders, unkonventionell und mutig für seine Zeit. Während Kollegen auf natürliche Werkstoffe setzten, experimentierte er mit Kunststoff und Metall. 1958 machte Panton Furore mit dem Design seines „Wire Cone Chair“, einem Stuhl, der aussah wie eine Eistüte aus Draht.

Verner Panton
Die VP4 Tischleuchte (l.) und die VP1 Pendelleuchte (r.) aus der ‚Flowerpot‘-Serie von &tradition sind Klassiker des Designs von Verner Panton (hier 1953 beim Zeichnen).

Die Zusammenarbeit mit Vitra

Der internationale Durchbruch gelang, als er mit dem Möbelhersteller Vitra den Entwurf seines „Panton Chairs“ nach etlichen Versuchsreihen umsetzen konnte – der damals fiberglasverstärkte, kaltgepresste Monoblock-Freischwinger aus Polyester wurde zu einer seiner bekanntesten Arbeiten und ging 1967 in eine kleine Vorproduktion von 150 Stühlen. Ein Stuhl ohne Beine, dazu noch in kräftigen Farben – das erregte viel Aufsehen in der Designwelt. Die Nachfrage konnte kaum befriedigt werden. 1968 wurden weitere Tests mit Polyurethan-Hartschaum gemacht. Mit diesem Material begann dann die eigentliche Serienfertigung ‚aus einem Guss‘. Der Stuhl ist bis heute weltweit beliebt und erhältlich in verschiedenen Farben. Kräftige Farben und eine organische Formensprache wurden Pantons unverkennbares Markenzeichen. Sein Design erinnerte eher an Kunstinstallationen, als an funktionelle Einrichtungsgegenstände. Seine Wahrnehmung von Farbe beschrieb Panton in seinem Buch ‚Notes of Colour‘ (Danish Design Center; Copenhagen; 1991): „Die Farbauswahl sollte man nicht dem Zufall überlassen. Man sollte sich bewusst für eine Farbe entscheiden. Farben haben eine Bedeutung und eine Funktion.“ Und weiter: „Farben sind eine subjektive, physische Wahrnehmung. In Realität existieren sie gar nicht. Nur in unseren Gedanken ist Gelb wirklich gelb. Farben entstehen allein durch die Funktionsweise unserer Augen. Alles um uns herum hat eine Farbe. Nur (destilliertes) Wasser und klarer Schnaps sind farblos.“

Verner Panton
Die Kantine des alten ‚Spiegel‘-Verlagsgebäudes im Hamburger ‚Museum für Kunst und Gewerbe‘. (l.) Fotos: © Verner Panton Design (2 Portraits), &tradition (6), MKG/ Michael Bernhardi, SPIEGEL-Verlag, 2011

Räume als Gesamterlebnis

Verner Panton schuf nicht nur Möbel, verschiedenste Stoffmuster und Gebrauchsgegenstände, sondern wurde außerdem berühmt durch seine signifikanten und vollumfänglichen Raumgestaltungen. Legendär ist seine Gestaltung des Interieurs für das Hamburger Verlagshaus des ‚Spiegels‘ im Jahr Flowerpower-Hochjahr 1969, bei dem die Etagen in unterschiedlichen Farben ganz im Panton-Stil ausgestattet wurden. „Typisch Panton“, das hieß: Der Raum wurde zum Gesamtkunstwerk und wirkte auf den Betrachter wie ein Besuch in einer anderen Welt. Zum Gesamtkonzept gehörten experimentelle Wandpaneele, farbige Kunststoffkacheln und Rundungen, wo das Auge hinsah. Durch Pantons Entwürfe verschmolz der Raum zu einer Einheit und war durchzogen von seinen Visionen. Übrigens: Die berühmte ‚Spiegel‘-Kantine aus dem Verlag blieb in Teilen erhalten und kann heutzutage im Hamburger ‚Museum für Kunst und Gewerbe‘ zeitweise besichtigt und sogar für Veranstaltungen angemietet werden.